Aktionärsvertreter im Aufwind: Ein kritischer Blick auf Knof, Orcel und Lindner
In den letzten Wochen schienen Aktionärsvertreter den Führungskräften von Banken und Unternehmen kräftig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein Kommentar über die Verantwortung und die Reaktionen.
Es scheint fast so, als wäre es zur neuen Sportart geworden: das Draufhauen auf Führungskräfte wie Knof, Orcel und Lindner. Und ich kann nicht anders, als beipflichten. Je mehr ich über die jüngsten Entwicklungen in der Finanzwelt und der Politik nachdenke, desto klarer wird mir, dass diese Herren nicht ohne Grund im Rampenlicht stehen – sie bekommen ihr Fett weg, und das ist mehr als gerechtfertigt.
Zunächst einmal werfen die Aktionärsvertreter einen kritischen Blick auf die Performance und Verantwortlichkeit der Führungskräfte. Diese Menschen sind mit enormen Gehältern und Boni bedacht, aber was haben sie in den letzten Jahren wirklich für ihre Aktionäre geleistet? Die Banken scheinen oft mehr mit internen Machtspielen und der Aufrechterhaltung des Status quo beschäftigt zu sein, als mit der Schaffung von Mehrwert für ihre Anleger. Knof und Orcel, um nur zwei zu nennen, stehen an der Spitze von Institutionen, die immer wieder in die Kritik geraten, aber möglicherweise glauben sie, sie könnten ungeschoren davonkommen. Die Fragen, die an sie gerichtet werden, sind mehr als berechtigt, sie sind unabdingbar für eine funktionierende Unternehmensdemokratie.
Ein weiteres Argument, das nicht unter den Tisch fallen darf, ist die ethische Verantwortung der Führungskräfte. In einer Zeit, in der soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit immer mehr ins Zentrum von Unternehmensstrategien rücken sollten, ist es nicht nur enttäuschend, sondern geradezu erschreckend, wie wenig sich einige dieser Herren dazu äußern. Lindner hat es vor kurzem besonders treffend auf den Punkt gebracht: Während die einen über Nachhaltigkeit reden, zehren die anderen an den alten, fetten Pfründen einer zunehmend überholten Finanzkultur. Aktionärsvertreter stehen an der Frontlinie und fordern von diesen Führungspersönlichkeiten, endlich Verantwortung zu übernehmen – und wenn sie das nicht tun, müssen sie sich nicht wundern, dass sie den Zorn der Aktionäre spüren.
Natürlich gibt es einige, die argumentieren könnten, dass diese Attacken ungerecht sind und dass die Verantwortung für die Unternehmensführung nicht allein bei den Führungskräften liegt. Das mag vielleicht stimmen, doch das ändert nichts daran, dass sie die Gesichter der Organisationen sind und daher die Hauptverantwortung tragen. Wenn ein Unternehmen scheitert, sind es letztlich die Führungspersönlichkeiten, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Aktionäre haben das recht, nach den Leistungen zu fragen und auf der Einhaltung von Versprechen zu bestehen.
Die Balance zwischen kritischer Kontrolle und übertriebenem Druck ist fragil. Aber, wenn wir ehrlich sind: Diese Herren stehen nicht vor einem kleinen Prüfstand, sie sitzen im Zentrum der Geschicke großer Institutionen. Es ist an der Zeit, dass sie sich an das Steuer setzen und das Schiff wieder auf Kurs bringen. Nur so können sie sich vor den berechtigten Fragen der Aktionäre verteidigen, und vielleicht, nur vielleicht, können sie auch in den nächsten Hauptversammlungen wieder etwas bessere Leistungen präsentieren. Wer wird bei dieser Besetzung von Führungspersönlichkeiten schon auf die Waage des Möglichen setzen, wenn das Ergebnis oft so ungewiss ist?
Verwandte Beiträge
- youth-reporter.deMüller (CDU) zum BAföG: Die Grenzen des Wachstums
- florian-soell.deDie Verantwortung der Deutschen für Orbáns Macht in Ungarn
- hundepflegestudio-lindner.deMerz beim Unternehmertag: Ein kritischer Blick auf die Bundesregierung
- transnationalsupport.deHerausforderung Integration: Warum nur 40 Prozent der zugewanderten Frauen arbeiten